17
Jun
10

Mein Vater – in memoriam Ayahanda – 5 Jahre nach seinem Tod

Mein Vater war ein Musiker und Boxer

Eine Erinnerung an den 5. Todestag von meinem Vater

Es ist 5 Jahre her, seitdem mein Vater Nikolaus zum Herrgott zurückgekehrt ist. Das war der 17. Juni 2005. Diesen Tag werde ich im Leben nie vergessen. Er starb in meiner Abwesenheit. Er war im Dorf, weit weit weg hinter Tausend Bergen. Ich war in Rom, grad fertig mit dem Studium. Meine Freude über die gelungene Abschlussprüfung war blitzschnell versaut, verwandelt in Tränen und Trauer. Es gab keine andere Wahl. Ich musste nach Hause. Zum Begräbnis.

Mein Vater war 20 Jahre Witwer. Mit seinem Tod waren wir elternlos. Gleich nach der Abschlussprüfung in Rom plante ich einen baldigen Heimaturlaub, um ihm über meinen langen Weg von Indonesien über Österreich, London, Kairo und Rom zu erzählen. Aber leider, er konnte nur erfahren, dass mein akademischer Weg zu Ende war. Vielleicht hat er nur auf diesen Tag gewartet.

Ich bin der letzte von 5 Kindern. Meine Geschwister (2 starben jung; wir sind 3 Brüder am Leben) geben zu, dass keiner von den Geschwistern so viel Liebe und Zuneigung von den Eltern erfahren haben außer mir. Meine Geschwister lebten damals ja in einer Zeit, wo es uns wirtschaftlich nicht so gut ging. Ich war in einer Zeit geboren, als es uns schon etwas besser ging. Ich musste nicht alles tun, was meine Geschwister tun konnten. In Stille bekam ich alles mit, ich fing an, die besonderen Fähigleiten meines Vaters zu schätzen. Er war ein starker Mann, fleißig, kommunikativ, sprachbegabt und musikalisch. Eigentlich war er sehr vielseitig.

Meine Eltern und wir Kinder verbrachten oft viele Nächte auf dem Reisfeld, vor allem wenn es Vollmond war. Unter dem herrlichen Mondschein lagen wir alle auf der breiten Matte. Mutter, Vater und Geschwister erzählten abwechselnd Märchen, lernten mich Singen, melodiöse Legenden zu rezitieren, etc.. Und wenn wir im Reisfeld übernachteten, kamen die Wildschweine oder Hirsche nicht aufs Feld, um unsere Ernte zu klauen, denn sie hörten unsere Stimmen.

In der Morgendämmerung fing mein Vater oft an, laut zu singen. Ich erinnere mich an seine schöne, sanfte Stimme. Er sang bekannte Lieder. Aber manchmal sang er auch selbstkomponierte Lieder. Seine Lieder und Melodien bleiben mir bis heute in Erinnerung.

Mit Stolz erzählte er uns, wie er damals in der Jugendzeit einen Chor gegründet und geleitet hat. Er genoss es, Lieder oder Musikstücke zu komponieren und mit anderen zu präsentieren. Sein Chor sang 4-stimmige Lieder. In seiner Zeit war diese Komposition nicht selbstverständlich.

Mit 2 oder 3 Kumpels war mein Vater oft bei verschiedenen Festen und Feierlichkeiten zu sehen. Sie machten Tanzstimmung mit Mundharmonika, Gitarre und Trommel. Mein Vater war ein sehr guter Mundharmonikaspieler. Er war auch der Sprecher der Gruppe, der viele Gedichte, vor allem bei Hochzeiten, aufsagte. Mein Vater war so ein begeisterter Musiker, sodass er lange und riskante Reisen mit kleinen Booten auf andere Inseln nicht scheute, um dort Musik zu machen. Er lernte meine Mutter bei der Musik kennen. Sie hat bei einem Jugendchor gesungen. Musik hat die beiden zu einander gebracht.

Mein Vater erzählte uns Kindern, dass er ein traditioneller Boxer war. Dies bestätigten auch seine Generation und ältere Leute im Dorf. Die Boxer trafen sich immer am Vorabend des Markttages in einem Dorf. Während der Wache über den Markttag, boxten die Männer. Damals gab es keine Box-Vereine, keine Präsidenten, keinen Promotor, keinen Trainer.. Aber Menschen aus verschiedenen Dörfern brachten ihre Boxer zum Kampf. Mein Dorf brachte unter anderem meinen Vater. Der Ring war der zaunlose Strand am Meer. Stolz erzählte mein Vater bis zu seinem Tod, wie er damals einen starken Sieger in unserer Gegend, vor dem jeder sich fürchtete, besiegt hat. Mein Vater war eine Zeit lang ein aktiver Boxer. Ich bin seit vielen Jahren ein passiver Boxer. Ich will keinen Live-Boxkampf im Fernsehen aus Deutschland verpassen. Ich liebe keine Gewalt. Ich mag es, den Kampf mit seiner Technik, Taktik, Chancen und Schwächen zu sehen. Dies hat mit Lebensphilosophie zu tun. Gott sei Dank habe ich fast alle deutsche Programme hier.

Mein Vater lebte sein Leben auf seine Art und Weise, die er liebte. Er füllte die 77 Jahre seiner Lebzeit mit so viel Elan, Begeisterung und Hoffnung. Er wusste genau, was er uns, seinen Kindern, für das Leben mitgeben musste.

Fünf Jahre ist es her, seitdem er sich aus diesem Leben verabschiedet hat. Ich spüre, dass er in mir lebt, denn ich tue vieles und ahme nach, was er für die Verbesserung der Lebensqualität getan hat.

Vater, Ruhe in Frieden! Amen.

PMSK, SVD


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