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Marokko: Christen geraten unter staatlichen Druck

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17. März 2010

Marokko: Christen geraten unter staatlichen Druck

Regierung geht gegen vermeintliche Abwerbung von Muslimen vor.

Rabat (idea) – In Marokko wächst die Sorge, dass die Regierung stärker gegen die christliche Minderheit vorgehen will. Laut Presseberichten sind im März bereits 70 ausländische Christen ausgewiesen worden, die als Entwicklungshelfer in dem überwiegend muslimischen nordafrikanischen Land tätig waren. Im Visier des Staates sind dem Informationsdienst Compass Direct zufolge vor allem US-Bürger.

Die Regierung habe der US-Botschaft in Rabat eine Liste mit 40 Personen übergeben, die das Land verlassen sollen. Der Grund ist die Sorge, dass Christen Muslime zum Übertritt zum Christentum bewegen wollen. Das ist in Marokko verboten, wo nach der Verfassung Religionsfreiheit besteht. Auch in der kleinen, aber wachsenden einheimischen Minderheit breitet sich Angst vor staatlichen Übergriffen aus. Vor allem unter Berbern in Marokko und dem benachbarten Algerien nimmt die Zahl der Christen zu.

Am 10. März waren ein marokkanischer Pastor, seine Frau und ein Verwandter einen Tag lang verhört worden. Schon am 4. Februar hatte die Polizei nach einer Razzia auf eine Bibelstunde in Amizmiz, etwa 55 Kilometer südlich von Marrakesch, einen US-Amerikaner und 18 Marokkaner festgenommen, darunter fünf Kleinkinder zwischen sechs Monaten und vier Jahren.

Danach wurde der US-Amerikaner abgeschoben. Begründung: Er habe als Missionar den evangelischen Glauben verbreiten wollen. Am 8. März hatten Sicherheitsbehörden das christliche Kinderheim „Dorf der Hoffnung“ in Ain Leuh im Atlasgebirge geschlossen. 16 ausländische Mitarbeiter, meist Pflegeeltern für die 33 Kinder, mussten das Land verlassen. Das teilte Personalleiter Chris Broadbent im Interne mit.

Man habe den Ausländern vorgeworfen, Pflegekinder zum christlichen Glauben bekehren zu wollen. Eine ähnliche Einrichtung, die „Kinder-Zuflucht“ in Azrou, etwa 150 Kilometer östlich der Hauptstadt Rabat, wird von den Behörden genau beobachtet. Die 20 Mitarbeiter fürchten ein ähnliches Schicksal wie die Ausländer im „Dorf der Hoffnung“.

Neuer Justiz- und Innenminister Nach Einschätzung einheimischer Christen geht das schärfere staatliche Vorgehen auf die Ernennung von zwei Ministern zurück. Justizminister Mohammed Naciri und Innenminister Taieb Cherkaoui traten ihre Ämter im Januar an.

Kommunikationsminister Khalid Naciri kündigte am 11. März ein härteres Vorgehen gegen religiöse Abwerbung an. Christen könnten zwar ihren Glauben in Marokko frei praktizieren, dürften aber nicht missionieren. In dem nordafrikanischen Land ist der Islam Staatsreligion.

Von den rund 32 Millionen Einwohnern sind nach offiziellen Angaben 99 Prozent Muslime, davon 90 Prozent Sunniten. Ferner gibt es kleine Minderheiten von Christen und Juden.

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