13
Mar
10

Das Fasten der Kopten

http://www.zenit.org/article-20052?l=german

Das Fasten der Kopten

“Die Leute gewöhnen sich mit der Zeit daran und sie lieben es”

Von Michaela Koller


***

KAIRO, 12. März 2010 (ZENIT.org).-Schon beim Betreten der geräumigen Wohnung in der modernen Madinat Nasr, einem Vorort von Kairo, steigt der Duft von Gewürzen und Gemüse den Besuchern in die Nase. Die berühmte ägyptische Gastlichkeit wird auch in diesen Wochen hoch gehalten, da Fastenzeit ist. Die orientalischen Christen legen beim Verzichten als auch beim Bewirten einen beeindruckenden Eifer an den Tag. Die Koptin Hedy Banoub, die sich zusammen mit ihrem Mann Maurice Assad stark ehrenamtlich in der koptisch-orthodoxen Kirche für Familien und junge Mädchen einsetzt, gewährte ZENIT Einblicke in das Fastenverständnis einer orientalischen Kirche.

Schwester Agapie, die die Eheleute durch die soziale Arbeit her kennen, erläutert die Regeln: “Wir sind eine traditionelle Kirche, das heißt, dass wir aus der Bibel wie auch aus der Tradition leben.” Die Heilige Schrift erwähnt das Fasten an mehreren Stellen. Deren Auslegung wurde bei den einheimischen ägyptischen Christen zur Grundlage einer Tradition des Fastens.

“Wir kennen das große und das kleine Fasten”, erläutert die Ordensfrau. Während des Ersteren wird auch auf Fisch verzichtet. Die Kopten kennen gleich mehrere Fastenzeiten: Im Advent, das Apostelfasten nach Pfingsten, und das Marienfasten, das 15 Tage lang im August gehalten wird, gönnen sich praktizierende Kopten Fischgerichte, gemäß ihrer Tradition. Ein großer Teil der Gläubigen verzichtet aber freiwillig auch darauf. Bereits zehn Tage vor Beginn der vorösterlichen Fastenzeit gibt es im wahrsten Sinne einen Vorgeschmack auf den kommenden Verzicht. Es ist das sogenannte Jonas-Fasten, das an die Zeit des Propheten im Bauch des Wals erinnert. An drei Tagen streichen die Kopten dann Fleisch, Fisch, Eier und Milch von der Karte. Nur Getreide und Gemüsegerichte sind den konsequenten Gläubigen dann erlaubt. Wenigstens darf aber alles kräftig gewürzt und in Öl gebraten werden. “Wir verwenden reichlich Cumin, was das Gemüse bekömmlich macht”, verrät Schwester Agapie.

Cumin ist auch als Kreuzkümmel bekannt und verleiht den Speisen einen unnachahmlich orientalischen Geschmack. Es ist besonders bei der Zubereitung von Falafel nicht wegzudenken. “Nein, die Unsrigen sind aus pürierten Bohnen”, betont Schwester Agapie, auf den weltweit bekannten Snack angesprochen.

Arabische Migranten haben diese Bratlinge im Fladenbrot, kombiniert mit Salat und abgeschmeckt mit Sesamsauce, der sogenannten Tahina, in Europa zu einem beliebten Fastfood gemacht. Und jüdische Restaurants weltweit servieren sie ebenso. Meist enthalten diese aber Kirchererbsenpüree mit Kräutern und Gewürzen.

In der koptischen Fastenküche werden diese frittierten Bällchen aus sogenannten Pferdebohnen hergestellt. Salz, Chilipulver, Petersilie, Knoblauch und Zwiebel sorgen bei allen Rezepten zudem dafür, dass das Fastenessen nicht fad wird.

Das ist in der langen Fastenzeit vor Ostern wichtig: Für die ägyptischen Christen, zusammen mit den Äthiopiern, dauert diese länger als bei allen anderen Konfessionen. Insgesamt 54 Tage lang kommt nicht einmal Käse, Joghurt oder sonst etwas aus Milch, Eiern, Fleisch oder Fisch auf den Tisch.

“Es gibt kein Mindestalter, sondern es hängt allein vom persönlichen Willen ab, wer fastet,” sagt Schwester Agapie. Um zur Kommunion zu gehen, blieben die Kopten zudem neun Stunden davor, von Mitternacht angerechnet, nüchtern, nicht einmal ein Bissen Brot nehmen sie zu sich, wie sie sagt. Findet die heilige Messe erst am späten Nachmittag statt, könne dies schon hart sein. Es dürfe aber nicht auf Kosten der Gesundheit gehen.

“Die spirituelle und die körperliche Seite müssen ausgeglichen sein”, meint die Schwester. “Die Leute gewöhnen sich mit der Zeit daran und sie lieben es.”

Die Gastgeberin, Hedy Banoub, bittet indessen zu Tisch: In Chili und Kräutern eingelegte Auberginen, mit würzigem Reis gefüllte Paprikaschoten, mit reichlich Cumin verfeinerte helle Linsensuppe, eine orientalische Variante von Kartoffelpüree sind nur wenige von zahlreichen Fastenspeisen, die sie für viele Wochen im Jahr saftigen Kebabfleischspießen oder Lammbraten vorzieht, alles zur höheren Ehre Gottes.


0 Responses to “Das Fasten der Kopten”



  1. Leave a Comment

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s


%d bloggers like this: